Digitale Angebote im BGM – Was bleibt nach der Pandemie?

Keine Frage, die Corona-Pandemie und die Home-Office-Pflicht haben der Digitalisierung in vielen Unternehmen einen enormen Schub verliehen. Digitale Tools, die es den Arbeitnehmern ermöglichen, ihre Arbeit auch von zuhause aus zu erledigen, standen dabei vielerorts im Mittelpunkt.

Diese Tendenz setzt sich auch im BGM fort, wo sich bereits einige digitale Werkzeuge entwickelt und etabliert haben. Die Bandbreite an Angebote reicht von der Koordination von BEM-Verfahren (Betriebliche Eingliederung) und Maßnahmen bis hin zu digitalen BGF Maßnahmen (Betriebliche Gesundheitsförderung) und deckt alle Bereiche des BGMs ab. Für BGM-Koordinator*innen sind meist Komplettlösungen, die den gesamten BGM-Prozess darstellen, interessant. Auch Bedarfsanalysen und Befragungen der Mitarbeitenden können einfach digital durchgeführt und ausgewertet werden. Über Internetplattformen, wie die der Zentralen Prüfstelle Prävention, können BGM-Koordinator*innen beispielsweise für Ihre Mitarbeitenden die passenden Interventionen finden und buchen.


Sind digitale Angebote auch effektiv?


Digitale Angebote im BGF haben heute eine große Bedeutung und sind nicht mehr aus der Arbeitsumgebung vieler Beschäftigter wegzudenken. So hat der GKV Spitzenverband zum 01.07.2021 ihren Leitfaden Prävention angepasst und im Rahmen dessen auch Kriterien zur Zertifizierung digitaler Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote verfasst. Um als digitales förderungsfähiges Präventionsangebot zu gelten, müssen digitale Coachings, Online-Kurse, Gesundheits-Apps & Co. zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen zum einen ein Trainingskonzept beinhalten und zum anderen einen nachweisbaren, gesundheitlichen Nutzen stiften. Dieser gesundheitliche Nutzen muss entweder bereits durch Studien bestätigt sein, oder im Rahmen einer eigenen Studie bestätigt werden (GKV Spitzenverband, 2020). Auch eine, der Anbieterqualifikationen entsprechende, fachliche Unterstützung muss den Teilnehmern des digitalen Angebots bereitgestellt werden, um gegebenenfalls aufkommende Fragen beantworten zu können. Durch diese Kriterien zur Zertifizierung des GKV Spitzenverbands soll die Qualität und der positive Effekt auf die Gesundheit der digitalen Angebote sichergestellt werden.


Chancen & Herausforderungen


Neben der Tatsache, dass immer mehr digitale Angebote auf dem BGM-Markt zu finden sind, stellt sich folgende Frage: Was sind die Chancen, die sich aus der Digitalisierung von BGM-Werkzeugen ergeben und welche Herausforderungen bringt der zunehmende Einsatz digitaler Prozesse und Hilfsmittel mit sich? Diese Frage haben sich auch Winter & Riedl (2021) gestellt und mit Hilfe eines Methodenmix aus Literaturrecherche und Experteninterviews beantwortet (siehe Abbildung). Auf der Seite der Chancen stechen die Flexibilität und die Erhöhung von Effektivität und Effizienz besonders heraus. Dem entgegen stehen die praktischen Schwierigkeiten zum Beispiel in puncto Akzeptanz und Nutzungskompetenz der jeweiligen Anwender. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Themenfeld ist die Sicherstellung des Datenschutzes, denn im Kontext des BGMs geht es nicht selten, um sensible und persönliche Informationen der Mitarbeitenden. Für Winter & Riedl (2021) ist daher klar, dass der Einsatz digitaler Hilfsmittel im BGM die analogen Interventionen keineswegs vollständig ersetzen kann. Vielmehr sind diese – richtig eingesetzt – eine sinnvolle Ergänzung.



Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von digitalen BGM-Tools (Eigene Darstellung nach Winter & Riedl, 2021)


Zurück zu alten Mustern?


Die Corona-Pandemie hat das BGM vielerorts vor große Herausforderungen gestellt und zu Anpassungen gezwungen. Ein einfaches Beispiel sind etwa präventive Sport- und Bewegungskurse als klassische betriebliche Gesundheitsmaßnahme. Diese konnten oftmals nicht mehr in Gruppen vor Ort, sondern nur noch als Online-Kurs angeboten werden. Doch wie geht es weiter, wenn die Pandemie endgültig unter Kontrolle ist? Bleibt der digitale Trend an dieser Stelle des BGMs bestehen? Die zukünftigen Entwicklungen können wir nur erahnen.

Die digitalen BGM-Komplettlösungen (Prozessmanagement, Mitarbeiterbefragungen etc.) werden, sobald diese einmal eingeführt wurden, nicht mehr aus den Unternehmen weg zu denken sein, da durch solche Komplettlösungen BGM-Prozesse stark vereinfacht und effizienter gestalten werden können. Auch die Arbeitsbedingungen als solche werden nach der Krise nicht vollständig zu alten Mustern zurückkehren. So planen laut Dr. Stefan Rief, Leiter des Forschungsbereichs Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), 70% der Personalmanager nach den Corona-Maßnahmen, die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten zu erweitern (Welchering, 2021). In Bezug auf die digitalen Maßnahmen der Gesundheitsförderung (z.B. Online-Kurse, Online-Coaching, …) wird die Nutzung nach der Pandemie durch persönliche Präferenzen bedingt. Denkbar wäre zunächst ein Anstieg des Interesses an Präsenzangeboten, um den so vermissten Kontakt der letzten Monate nachzuholen, eine Art Nachholeffekt also. Langfristig wird jeder Teilnehmer persönlich entscheiden, ob für Ihn die Flexibilität von Online-Kursen oder das soziale Miteinander in den Präsenz-Kursen wichtiger erscheint.


Fazit

Wie in nahezu allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilbereichen unseres Lebens, ist im BGM eine zunehmende Digitalisierung auszumachen, die sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird. Dies gilt sowohl für die Ermittlung von Ist-Zuständen (z.B. digitale Umfrage- und Auswertungstools) als auch für die Umsetzung konkreter Maßnahmen (z.B. Online-Kurse und Coachings). Die Vorteile der Digitalisierung liegen dabei, wie oben beschrieben, im Zugewinn an Effizienz und Flexibilität. BGM-Verantwortliche sollten sich jedoch ebenso kritisch mit den Herausforderungen auseinandersetzen. So müssen etwa die Mitarbeitenden auf dem Weg mitgenommen werden, um eine Akzeptanz zu schaffen. Denn solange kein Interesse an digitalen BGF-Angeboten besteht, bringt Sie auch die beste digitale Gesundheits-App nicht weiter.


Quellen:


GKV Spitzenverband (2020). Kriterien zur Zertifizierung digitaler Präventions-und Gesundheitsförderungsangebote gemäß Leitfaden Prävention 2020, Kapitel 7, Stand Dezember 2020. Abgerufen am 12.07.2021 unter https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/praevention__selbsthilfe__beratung/praevention/praevention_leitfaden/Kriterien_zur_Zertifizierung_digitaler_Angebote_12_2020.pdf

Welchering, P. (2021). Nach der Corona-Pandemie – Wie die Digitalisierung der Arbeitswelt jetzt weitergeht. Deutschlandfunk. Abgerufen am 12.07.2021 unter https://www.deutschlandfunk.de/nach-der-corona-pandemie-wie-die-digitalisierung-der.684.de.html?dram:article_id=499064

Winter, R., & Riedl, R. (2021). Chancen und Herausforderungen eines digitalen betrieblichen Gesundheitsmanagements. Prävention und Gesundheitsförderung, 1-6.