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Krank oder lustlos zur Arbeit?

Über die Bedeutung von Präsentismus und die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte.


Es ist Mittwochmorgen und Sie fühlen sich krank. Der nächste Weg führt Sie jedoch nicht zum Arzt, sondern wie an jedem anderen Tag zu Ihrem Arbeitsplatz. Sie gehen zur Arbeit, obwohl Sie krank sind und zuhause besser aufgehoben wären. Dieses Phänomen bezeichnet man als Präsentismus. Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältig und die Folgen weitreichender als gedacht.

Präsentismus – Was ist das?


Für den Begriff Präsentismus gibt es bis heute noch keine einheitliche Definition. Vielmehr gibt es eine Bandbreite an Begriffsbestimmungen in Europa. Häufig wird der Begriff verwendet um die Anwesenheit von Mitarbeitenden, die gesundheitlich eingeschränkt sind und sich aufgrund dessen krankmelden könnten, am Arbeitsplatz beschrieben (Lohaus & Habermann, 2018)

In Amerika hingegen wird Präsentismus anders definiert. Dort wird zusätzlich der Verlust der Arbeitsproduktivität hinzugezogen, denn durch eine gesundheitlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit, bleiben die Mitarbeitenden unter dem durchschnittlichen Arbeitspensum. (Kramer, Oster & Fiedler, 2013)

Neben der Leistungsbeeinträchtigung durch gesundheitliche Einschränkungen kann Präsentismus auch durch eine fehlende Leistungsbereitschaft definiert werden. Fehlt die Motivation, sich bei der Arbeit zu beteiligen und die zugeteilten Aufgaben zu erledigen, so wird auch dieses Phänomen als Präsentismus bezeichnet. Zusammenfassend sind beim Präsentismus die Mitarbeitenden zwar am Arbeitsplatz können jedoch aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder motivationalen Problemen ihre eigentliche Leistung nicht abrufen.


Präsentismus und Absentismus


Neben dem Präsentismus stellt auch der Absentismus eine Minderung der Leistung des Mitarbeitenden dar. Absentismus beschreibt dabei die Abwesenheit von Mitarbeitenden vom Arbeitsplatz und kann entweder eine krankheitsbedingte Abwesenheit sein oder auch das Fernbleiben, obwohl keine gesundheitliche Einschränkung vorliegt. Bei letzterem kann eine geringe Arbeitszufriedenheit oder keine Unternehmensbindung der Grund für die Abwesenheit sein. Absentismus ist schon länger bekannt und im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie weit erforscht (Lohaus & Habermann, 2018).



Häufigkeit von Arbeit trotz Krankhei (eigene Darstellung nach Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung & Techniker Krankenkasse, 2021)


Jeder zweite geht krank zur Arbeit


Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung und der Techniker Krankenkasse (2021) geben 51 % an, trotz Krankheit am Arbeitsplatz erschienen zu sein (manchmal, häufig und sehr häufig). Vor allem war auffällig, dass weibliche Beschäftigte häufiger krank zum Arbeitsplatz gehen als männliche Beschäftigte. Auch gegen den ärztlichen Rat erscheinen insgesamt 7,5 % der Befragten häufig oder sehr häufig krank am Arbeitsplatz.


Motive für Präsentismus


Präsentismus ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die Gründe für das Erscheinen am Arbeitsplatz, obwohl eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung vorliegt, oder eine mangelnde Leistungsbereitschaft können unterschiedlich sein:

· Eine hohe emotionale Bindung und ein Pflichtgefühl gegenüber den Kolleg*innen

· Eine geringe emotionale Bindung und fehlende Motivation

· Ängste vor dem Vorgesetzten oder Kollegen

· Innere Kündigung

· Hohe Arbeitsanforderungen und -menge

· strikte Anwesenheitspolitik

· unsicherer Arbeitsplatz

Die Gründe für den Präsentismus sind vielfältig, individuell und können über die hier aufgeführten Beispiele hinausreichen. Während der Präsentismus durch gesundheitliche Beschwerden eher durch einen großen psychischen Druck ausgelöst wird, liegen die Gründe des Präsentismus durch geringe Motivation eher in der sozialen Gesundheit.


Folgen von Präsentismus

Präsentismus hat eine negative Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Durch eine geringere Leistungsfähigkeit, häufigere Fehler und mehr Unfälle der Mitarbeitenden wird das Unternehmen finanziell geschwächt. Die Kosten für Präsentismus belaufen sich nach vielen unterschiedlichen Studien auf eine Summe zwischen 7,2 Mrd. € bis zu 143,6 Mrd. €. Laut der Experten sind die Kosten für Präsentismus mehr als doppelt so hoch wie die Kosten für Absentismus. (Kramer, Oster & Fiedler, 2013)


Darüber hinaus tauchen auch persönliche Folgen von Präsentismus auf. Neben Unzufriedenheit und dem Verschleppen von Krankheiten und der damit verbundenen längerfristigen Krankheit, können auch Kolleg*innen von einem kranken Mitarbeitenden angesteckt werden.


Fazit


Der Präsentismus ist sehr komplex und die Gründe dafür sind sehr vielschichtig und nicht immer eindeutig erkennbar. Dennoch kann ein nachhaltiges und strukturiertes betriebliches Gesundheitsmanagement der erste Schritt für eine Präsentismusprävention sein. Eine gesunde Unternehmenskultur und der Stellenwert der Mitarbeitenden im Unternehmen sind eine gute Basis im Entgegenwirken des Präsentismus.


Quellen:


Lohaus, D. & Habermann, W. (2018). Präsentismus. Springer Berlin Heidelberg.


Kramer, I., Oster, S. & Fiedler, M. (2013). Präsentismus: Verlust von Gesundheit und Produktivität. iga-Fakten(6). https://www.iga-info.de/fileadmin/redakteur/Veroeffentlichungen/iga_Fakten/Dokumente/Publikationen/iga-Fakten_6_Praesentismus_2.pdf


Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung & Techniker Krankenkasse (Hrsg.). (2021). How's work? Was Beschäftigte in Deutschland bewegt und belastet. https://www.tk.de/resource/blob/2116320/de9f5b5ea20a75bd93d42e2f41c6be2c/2021-beschaeftigtenstudie-data.pdf

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