Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integrieren – ein Praxisleitfaden zum Einstieg

Aktualisiert: vor einem Tag


Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist in vielen Betrieben bereits alltäglich – dabei geht es heutzutage um mehr, als die Krankenstandstage der Mitarbeiter*innen zu reduzieren (Lesen Sie dazu auch in unseren Blog-Eintrag "Das BGM der Zukunft"). Vielmehr liegt das Augenmerk heute auf einer ganzheitlichen und nachhaltigen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Ein besseres Betriebsklima, die optimale Work-Life-Balance und altersgerechtes sowie altersübergreifendes Arbeiten sind dabei nur ein paar Stichworte. Moderne betriebliche Gesundheitsvorsorge und ein Betriebliches Geundheitsanagement (BGM) umfassen heute ebenso die Bereiche gesunde Ernährung am Arbeitsplatz sowie das passende Entspannungsangebot. Viele Krankenkassen stehen dabei direkt an der Seite der Arbeitgeber*innen und unterstützten mit Leistungen, weitreichenden Weiterbildungen und Förderprogrammen.


Viele Unternehmen würden ihren Mitarbeiter*innen gerne Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz anbieten. Doch oftmals scheitert es bereits an einem guten und vor allem im jeweiligen Betrieb umsetzbaren Konzept. Um optimal aktiv und vor allem präventiv zu handeln, sollten bestimmte Gesichtspunkte nicht unter den Tisch fallen. Wir zeigen Ihnen auf, wie auch Sie in Ihrem Unternehmen das passende Konzept erstellen und implementieren können.


Wie steht es um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter?


Das Karrierenetzwerk LinkedIn hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut YouGov 2019 diesbezüglich insgesamt 1056 Beschäftigte online befragt. Beteiligt waren Festangestellte, die in den unterschiedlichsten Branchen arbeiten. Die Befragung ergab, dass 57 Prozent hohe Anspannung verspüren, 44 Prozent klagen über Unruhe-Zustände und rund 40 Prozent leiden sogar an Schlafstörungen (1). Und das, obwohl das Konzept des ganzheitlichen Gesundheitsmanagements nichts Neues ist. Die Ergebnisse zeigen auf: Rund 40 Prozent der Befragten attestierten ihren Arbeitgeber*innen entweder schlechte oder gar keine Präventionsmaßnahmen. Die meistgenannte Antwort auf die Frage warum das so sei, war Desinteresse auf Seiten der Arbeitgeber*innen.

Und das, obwohl die Folgen von Stress und übermäßigem Druck am Arbeitsplatz heute weitreichend bekannt sind:

  • Unruhe

  • Schlafstörungen

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Chronische Schmerzen

  • Beschwerden durch hohe Anspannung

Als Arbeitgeber*in sollten Sie sich deshalb genau fragen, ob es nicht doch sinnvoll wäre, Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement für Ihren Betrieb in Betracht zu ziehen und konkrete Maßnahmen einzuführen. Um den Einstieg zu erleichtern, stellen wir Ihnen im Folgenden einen Strategie-Ansatz für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement in Ihrer Firma vor:


1. Ist-Zustand analysieren


Wie bei jeder Strategie ist es auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement wichtig, erstmal einzuschätzen, wie die gegenwärtige Situation aussieht. Hierzu wählen Sie mindestens aus einer der folgenden Analysemethoden eine Variante aus:

  • Schriftliche Befragung der Belegschaft zur eigenen aktuellen und erwartbaren Gesundheitssituation

  • Interviews mit Führungskräften und Mitarbeiter*innen durch Experten

  • Moderierte Workshops zur Erarbeitung der Gesundheitsthemen

  • Analysen in den einzelnen Arbeitsbereichen

Bestenfalls kombinieren Sie verschiedene Analyseformate und holen sich Rat bei der Erarbeitung und Interpretation der Daten, dies gilt insbesondere für gezielte Mitarbeiter*innenbefragungen, Diese sind häufig der erste Einstieg ins BGM, denn so lassen sich anonym die Punkte identifizieren, die Ihrer Belegschaft besonders wichtig sind. Dabei sollten Sie auch erfassen:

  • Die verschiedenen Arbeitsbereiche in Ihrem Unternehmen

  • Welche Personenkreise wo arbeiten (Altersstruktur, Tätigkeiten, etc.)

  • Gesundheitsfelder im Unternehmen

Achten Sie darauf, welche Themen Sie in die Befragung aufnehmen. Die Auswahl sollte wohlbedacht sein, denn Sie wecken Begehrlichkeiten, denen Sie in Folge Rechnung tragen müssen (wollen!).


2. Ziele Definieren


Hierbei sind vor allem die Antworten auf diese Fragen wichtig:

  • Was möchten Sie mit Ihrem Betrieblichen Gesundheitskonzept in Ihrem Betrieb genau erreichen?

  • Welche Kennzahlen und Themenfelder wollen Sie abbilden und messen?

  • Was erwarten die Mitarbeiter*innen von einem BGM?

Besonders gut gelingt ein BGM, wenn Sie Ihre Angestellten direkt mit ins Boot holen, um eine gemeinsame Strategie zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zu entwickeln. Einige Betriebe formen hierfür zum Beispiel eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit den Zielen und Erwartungen sowie deren Umsetzbarkeit im Unternehmen beschäftigt. Mitarbeiter können ebenfalls mit einer Ausbildung zum Business Health Manager geschult werden. Auch externe Hilfe ist kein Tabu, oftmals sieht jemand Außenstehendes andere Dinge.


Im Fokus sollten vor allem zwei Bereiche stehen – die Handlungsfelder, die verändert werden sollen und die Hauptbelastungskategorien für Mitarbeiter*innen. Sinnvoll ist es, sich zunächst auf ein paar wenige Bereiche zu konzentrieren, die akuten Handlungsbedarf haben. Nach und nach können Sie dann weitere Bereiche dazunehmen und optimieren. Lassen Sie Ihr BGM-System von innen heraus wachsen und pflegen Sie es professionell.


3. Konkrete Gesundheitsmaßnahmen identifizieren


Jetzt geht es an die tatsächlichen gesundheitsfördernden Maßnahmen, die Sie am Arbeitsplatz etablieren möchten. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes mit den Zielen im BGM abgleichen

  • Arbeitsmedizinische Leistungen mit Präventivangeboten verbinden

  • Flexible Arbeitszeitenmodelle

  • Ruheräume

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung

  • Gesunde Kantinenverpflegung

  • Sport – und Bewegungsangebote

  • Psychosoziale Angebote und Maßnahmen

Generell unterscheidet man im Gesundheitsmanagement vorbeugende (präventive) und verbessernde (korrektive) Maßnahmen. Zum einen sollen die Menschen am Arbeitsplatz gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben. Zum anderen soll kranken, unmotivierten und abwesenden Mitarbeiter*innen optimale Bedingungen geschaffen werden, um wieder zurück ins Arbeitsleben zu finden.

Wichtig ist es, genau zu überprüfen, ob die gewünschte Maßnahme auch zum Ziel passt. Wenn Sie zum Beispiel das Stresslevel Ihrer Angestellten senken wollen, dann wird es wenig Sinn machen, das Kantinenessen zu revolutionieren. Dagegen können flexiblere Arbeitszeiten oder feste Routinen wahre Wunder wirken.

4. Umsetzung


Bevor Sie die jeweiligen Maßnahmen umsetzen, ist es wichtig, alle Mitarbeiter*innen zu informieren. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ergeben sich dabei gerade zu Beginn viele Fragen, die noch beantwortet werden müssen. Geben Sie Mitarbeiter*innen unbedingt die Chance, sich einzubringen. Denn nur wen Sie im Prozess schon abholen oder einbeziehen, der fühlt sich und seine Probleme auch ernst genommen. Sie werden feststellen, dieser Motivationsschub wirkt wahre Wunder.


Und überlegen Sie sich genau, wer diese Aufgaben übernimmt. Wer spricht mit den Kolleginnen und Kollegen, wer leitet Informationen weiter, wer motiviert und regelt die Vorgänge? Wichtig: Alleine stoßen Sie schnell an Ihre zeitlichen Grenzen. Verteilen Sie Aufgaben auf motivierte Mitstreiter*innen, holen Sie Ihre Führungskräfte ins Boot und gehen Sie die Themen im Team gemeinsam an.


5. Die Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement regelmäßig überprüfen


Wichtig, um die Maßnahmen und deren Wirkung beurteilen zu können, sind regelmäßige Feedbackgespräche, offene Kommunikation im Unternehmen oder Schulungen für Führungskräfte. Ermöglichen Sie Ihren BGM-Managern zum Beispiel Weiterbildungen zum Business Health Consultant und gewinnen Sie für sich und Ihre Mitstreiter*innen nachhaltig in den Themen der Moderation und Kommunikation. So können kontinuierlich neue Problemfelder identifiziert, die bestehenden Maßnahmen überprüft und diese erfolgreich in den Steuerkreisen vermittelt werden. Denn am Ende des Tages nützt es niemandem etwas, wenn die neuen Maßnahmen ins Leere laufen. Ein BGM funktiniert nur dann, wenn alle an einem Strang ziehen.


Langfristige Erfolge erfordern Durchhaltevermögen


Nach etwa 24 Monaten können Sie dann zum ersten Mal Bilanz ziehen: Was konnten Sie mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Ihrem individuellen Unternehmen effektiv erreichen? Wenn Sie Erfolge sehen, dann können Sie die nächste Baustelle angehen. Wenn nicht, sollten Sie nochmal in den direkten Austausch mit Ihren Mitarbeiter*innen gehen und nachjustieren. Wichtig: Dokumentieren Sie jeden Ihrer Schritte sorgfältig und halten Sie fest, welche Veränderung, welches Angebot einen besonderen Effekt auf eine bestimmte Herausforderung hatte. Nur so werden Sie versehen, wie sich die Ziele langfristig erreichen lassen.


Die Effekte eines erfolgreichen und langfristig nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagements zeigen sich erst nach Monaten. Daher müssen Sie sich zunächst in Geduld üben. Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn die gewünschten Effekte nicht sofort eintreten. Genauso wie jedes Unternehmen sehr individuell ist, werden auch die Maßnahmen in Ihrem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) sehr individuell sein. Ein BGM ist eine Herausforderung, aber gleichzeitig ein großer Potenzialträger für ein gesundes berufliches Miteinander. Blieben Sie immer auf dem aktuellen Wissensstand, tauschen Sie sich in (regionalen) Netzwerken aus und sprechen Sie über das Gute, was Sie tun.


Quelle (1): wiwo.de

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