Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integrieren – ein Praxisleitfaden zum Einstieg

Aktualisiert: 21. Okt 2020


Betriebliches Gesundheitsmanagment Praxisleitfaden

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist in vielen Betrieben bereits alltäglich – dabei geht es heutzutage um mehr, als die Krankenstandstage der Mitarbeiter*innen zu reduzieren (Lesen Sie dazu auch in unseren Blog-Eintrag "Das BGM der Zukunft"). Vielmehr liegt das Augenmerk heute auf einer ganzheitlichen und nachhaltigen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Ein besseres Betriebsklima, die optimale Work-Life-Balance und altersgerechtes sowie altersübergreifendes Arbeiten sind dabei nur ein paar Stichworte. Moderne betriebliche Gesundheitsvorsorge und ein Betriebliches Geundheitsanagement (BGM) umfassen heute ebenso die Bereiche gesunde Ernährung am Arbeitsplatz sowie das passende Entspannungsangebot. Viele Krankenkassen stehen dabei direkt an der Seite der Arbeitgeber*innen und unterstützten mit Leistungen, weitreichenden Weiterbildungen und Förderprogrammen.


Viele Unternehmen würden ihren Mitarbeiter*innen gerne Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz anbieten. Doch oftmals scheitert es bereits an einem guten und vor allem im jeweiligen Betrieb umsetzbaren Konzept. Um optimal aktiv und vor allem präventiv zu handeln, sollten bestimmte Gesichtspunkte nicht unter den Tisch fallen. Wir zeigen Ihnen auf, wie auch Sie in Ihrem Unternehmen das passende Konzept erstellen und implementieren können.


Wie steht es um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter?


Das Karrierenetzwerk LinkedIn hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut YouGov 2019 diesbezüglich insgesamt 1056 Beschäftigte online befragt. Beteiligt waren Festangestellte, die in den unterschiedlichsten Branchen arbeiten. Die Befragung ergab, dass 57 Prozent hohe Anspannung verspüren, 44 Prozent klagen über Unruhe-Zustände und rund 40 Prozent leiden sogar an Schlafstörungen (1). Und das, obwohl das Konzept des ganzheitlichen Gesundheitsmanagements nichts Neues ist. Die Ergebnisse zeigen auf: Rund 40 Prozent der Befragten attestierten ihren Arbeitgeber*innen entweder schlechte oder gar keine Präventionsmaßnahmen. Die meistgenannte Antwort auf die Frage warum das so sei, war Desinteresse auf Seiten der Arbeitgeber*innen.

Und das, obwohl die Folgen von Stress und übermäßigem Druck am Arbeitsplatz heute weitreichend bekannt sind:

  • Unruhe

  • Schlafstörungen

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Chronische Schmerzen

  • Beschwerden durch hohe Anspannung

Betriebliches Gesundheitsmanagement - psychische Belastungen

Als Arbeitgeber*in sollten Sie sich deshalb genau fragen, ob es nicht doch sinnvoll wäre, Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement für Ihren Betrieb in Betracht zu ziehen und konkrete Maßnahmen einzuführen. Um den Einstieg zu erleichtern, stellen wir Ihnen im Folgenden einen Strategie-Ansatz für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement in Ihrer Firma vor:


1. Ist-Zustand analysieren


Wie bei jeder Strategie ist es auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement wichtig, erstmal einzuschätzen, wie die gegenwärtige Situation aussieht. Hierzu wählen Sie mindestens aus einer der folgenden Analysemethoden eine Variante aus:

  • Schriftliche Befragung der Belegschaft zur eigenen aktuellen und erwartbaren Gesundheitssituation

  • Interviews mit Führungskräften und Mitarbeiter*innen durch Experten

  • Moderierte Workshops zur Erarbeitung der Gesundheitsthemen

  • Analysen in den einzelnen Arbeitsbereichen

Bestenfalls kombinieren Sie verschiedene Analyseformate und holen sich Rat bei der Erarbeitung und Interpretation der Daten, dies gilt insbesondere für gezielte Mitarbeiter*innenbefragungen, Diese sind häufig der erste Einstieg ins BGM, denn so lassen sich anonym die Punkte identifizieren, die Ihrer Belegschaft besonders wichtig sind. Dabei sollten Sie auch erfassen:

  • Die verschiedenen Arbeitsbereiche in Ihrem Unternehmen

  • Welche Personenkreise wo arbeiten (Altersstruktur, Tätigkeiten, etc.)

  • Gesundheitsfelder im Unternehmen

Achten Sie darauf, welche Themen Sie in die Befragung aufnehmen. Die Auswahl sollte wohlbedacht sein, denn Sie wecken Begehrlichkeiten, denen Sie in Folge Rechnung tragen müssen (wollen!).


2. Ziele Definieren


Hierbei sind vor allem die Antworten auf diese Fragen wichtig:

  • Was möchten Sie mit Ihrem Betrieblichen Gesundheitskonzept in Ihrem Betrieb genau erreichen?

  • Welche Kennzahlen und Themenfelder wollen Sie abbilden und messen?

  • Was erwarten die Mitarbeiter*innen von einem BGM?

Besonders gut gelingt ein BGM, wenn Sie Ihre Angestellten direkt mit ins Boot holen, um eine gemeinsame Strategie zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zu entwickeln. Einige Betriebe formen hierfür zum Beispiel eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit den Zielen und Erwartungen sowie deren Umsetzbarkeit im Unternehmen beschäftigt. Mitarbeiter können ebenfalls mit einer Ausbildung zum Business Health Manager geschult werden. Auch externe Hilfe ist kein Tabu, oftmals sieht jemand Außenstehendes andere Dinge.


Im Fokus sollten vor allem zwei Bereiche stehen – die Handlungsfelder, die verändert werden sollen und die Hauptbelastungskategorien für Mitarbeiter*innen. Sinnvoll ist es, sich zunächst auf ein paar wenige Bereiche zu konzentrieren, die akuten Handlungsbedarf haben. Nach und nach können Sie dann weitere Bereiche dazunehmen und optimieren. Lassen Sie Ihr BGM-System von innen heraus wachsen und pflegen Sie es professionell.


3. Konkrete Gesundheitsmaßnahmen identifizieren


Jetzt geht es an die tatsächlichen gesundheitsfördernden Maßnahmen, die Sie am Arbeitsplatz etablieren möchten. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes mit den Zielen im BGM abgleichen