Oft vergessen und doch so wichtig: Die soziale Gesundheit

Warum soziale Gesundheit wichtig ist und wie wir diese im Unternehmen stärken können.


„Wie geht es dir?“ „Fühlst du dich körperlich und mental gesund?“ „Geht es dir physisch und psychisch gut?“ Alltägliche Fragen, die jede*r schon einmal gestellt oder selbst gestellt bekommen hat. Offensichtlich wird dabei, dass die/der Fragesteller*in die Gesundheit in zwei Hauptbestandteile aufteilt, die physische und die psychische Gesundheit. Ein dritter Bestandteil wird an dieser Stelle nur allzu häufig vergessen: Die soziale Gesundheit.


„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO, 1946). Die Definition von Gesundheit der World Health Organization (WHO) macht schon lange darauf aufmerksam: Neben dem körperlichen und geistigen Wohlergehen, gibt es noch eine dritte Komponente, die soziale Gesundheit. Sie beschreibt die alltäglichen sozialen Erfahrungen im Rahmen von Gemeinschaften, sozialen Netzwerken, Familien sowie Individuen. Soziale Gesundheit beinhaltet Faktoren, wie familiären Zusammenhalt, sozialen Status und ein angemessenes Einkommen (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2020). Während die physische und psychische Gesundheit einzig und allein individuelles Wohlbefinden beschreiben, stellt die soziale Gesundheit die Interaktionen mit der Umgebung und zur Umwelt des Individuums dar.


Soziale Gesundheit im Unternehmen


Nicht nur im Privaten, sondern vor allem in der Arbeitswelt hat das soziale Miteinander einen essenziellen Einfluss auf die Gesundheit im Gesamten. Neben organisatorischen Faktoren, wie dem Gehalt und der Diversität im Unternehmen, besitzt jedes Unternehmen eine individuelle Struktur sozialer Kontakte. Neben innerbetrieblichen Netzwerken von Kolleg*innen der eigenen Abteilung, Vorgesetzten und Schnittstellen zu anderen Abteilungen können sich die sozialen Netze auch außerhalb des Unternehmens, beispielsweise mit Kunden oder Lieferanten, fortführen. Wird eine soziale Beziehung im Unternehmen als positiv wahrgenommen, so kann das Verlangen nach Zugehörigkeit und Akzeptanz gestillt werden und zu einer verständnisvollen und positiven Unternehmenskultur führen. Das wiederum führt dazu, dass Stressoren der Arbeit als weniger belastend wahrgenommen werden (Dikta, 2017). Auch eine Studie von Fasbender, Burmeister & Wang (2020) bestätigt die positive Wirkung von sozialen Kontakten im Arbeitsumfeld. Sie fanden heraus, dass Motivation und Empathie steigen, je positiver der soziale Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen ist. Dies ist vor allem bei älteren Mitarbeitenden ausgeprägt, da diese unter anderem durch die überschaubare Zeitspanne, die sie noch im Unternehmen sind, einen größeren Fokus auf sozial-emotionale Kontakte, als auf ihre individuelle Weiterentwicklung legen.


Soziale Gesundheit schafft es gleich mehrfach in die Top-10


Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) hat 2015 in einer Studie untersucht, welche Aspekte von Arbeitnehmenden als besonders wichtig für die Arbeitsqualität erachtet wurden. Auffällig war bereits damals, dass unter den zehn meistgenannten Faktoren auch zahlreiche Einflüsse auf die soziale Gesundheit zu finden waren, wie etwa die Zusammenarbeit mit netten Leuten, ein angemessenes Gehalt, gute Führung sowie Anerkennung und Wertschätzung im Betrieb. Die eingeschätzte Wichtigkeit der Faktoren wurde darüber hinaus mit der Zufriedenheit der Teilnehmenden mit eben jenen Faktoren verglichen. So wurden Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit deutlich (siehe Abbildung). Die Studie der INQA zeigt, dass einige Faktoren der sozialen Gesundheit von den Teilnehmenden als wichtig eingeordnet werden, diese jedoch noch in der Ausführung im Unternehmen teilweise erhebliches Potenzial aufweisen. (Initiative Neue Qualität der Arbeit, 2015)


Arbeitsqualität - Wichtigkeit & Zufriedenheit (eigene Darstellung nach Initiative Neue Qualität der Arbeit (2015))


Wertschätzung als soziale Ressource


Ein nennenswerter Faktor, der die soziale Gesundheit maßgeblich beeinflusst und auch von den Teilnehmenden der INQA Studie genannt wurde, ist die Wertschätzung durch das Umfeld des Individuums. Viele verbinden mit Wertschätzung nur Lob und Anerkennung, dabei beinhaltet der Begriff noch einiges mehr. Wertschätzung ist eine Haltung, wie man zu einer Sache oder einem Menschen steht, die man in seinem Verhalten und seiner Kommunikation ausdrückt (Matyssek, 2011). Bei dem Ausdruck von Wertschätzung geht es dabei primär um Wohlwollen und Respekt dem anderen gegenüber. Wichtig im Kontext der betrieblichen sozialen Gesundheit ist, dass Wertschätzung nicht ausschließlich von Führungskräften, sondern von allen Mitarbeitenden des Unternehmens ausgehen kann und soll – Stichwort Unternehmenskultur. Als wertschätzende Geste können neben Lob auch ein Lächeln, ein ausgesprochenes „Danke“, eine einfache Begrüßung oder das aufmerksame Zuhören aufgenommen werden.


Soziale Gesundheit im Unternehmen steigern

Nun stellt sich die Frage, wie es möglich ist, die soziale Gesundheit im Unternehmen zu steigern. Zum einen kann auf individueller Ebene der Umgang untereinander verbessert werden. Im Rahmen von Teambuilding-Maßnahmen, Workshops oder Schulungen können beispielsweise die Kommunikation und das Führungsverhalten angepasst werden. Auch die zuvor fokussierte Wertschätzung kann durch Interventionen gefördert werden. Zum anderen lassen sich auch Maßnahmen in der Unternehmensorganisation einbringen, um den Zustand der sozialen Gesundheit zu verbessern. Die Förderung der Diversität, sowie das Stärken innerbetrieblicher Netzwerke sind nur zwei Beispiele für die Anpassung der Organisationsstruktur zur Steigerung des sozialen Wohlergehens.


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Quellen:


Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020). Ängste und Unsicherheiten: Corona und die soziale Gesundheit. Abgerufen am 29.07.2021 unter https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/angste-und-unsicherheiten-corona-und-die-soziale-gesundheit-12329.php


Dikta, T. (2017). Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz. Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Teil 3. Deutsche Apotheker Zeitung. 37. S.84.


Fasbender, U., Burmeister, A., & Wang, M. (2020). Motivated to be socially mindful: Explaining age differences in the effect of employees’ contact quality with coworkers on their coworker support. Personnel Psychology, 73(3), 407-430.


Initiative Neue Qualität der Arbeit (Hrsg.) (2015). Gewünschte und erlebte Arbeitsqualität. Die Arbeitssituation in deutschen Unternehmen aus Sicht der Beschäftigten. Abgerufen am 30.07.2021 unter https://inqa.de/SharedDocs/downloads/webshop/monitor-gewuenschte-und-erlebte-arbeitsqualitaet?__blob=publicationFile


Matyssek, A. K. (2011). Wertschätzung im Betrieb: Impulse für eine gesündere Unternehmenskultur. BoD–Books on Demand.


WHO (1946). Verfassung der Weltgesundheitsorganisation.