• Liska Lanvers

Gesund bleiben im Homeoffice #1

Aktualisiert: März 3

Handlungsfeld Bewegung – Tipps von Sven Adomat


Erinnern Sie sich noch, wie Sie vor 20 Jahren gearbeitet haben? Oder kennen Sie vielleicht aus Erzählungen Ihrer Eltern, wie die Arbeitswelt im Jahr 2001 aussah? Sie werden sicherlich feststellen, dass mit der Arbeitswelt 4.0 viele Veränderungen Einzug gehalten haben. Die voranschreitende Digitalisierung ist dabei die wahrscheinlich gravierendste Veränderung, denn sie bringt die Möglichkeit zu zeit- und ortsunabhängigem Arbeiten mit sich und verlangt damit eine Anpassung in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Kommunikation, Führung und Organisationsmanagement. Einen weiteren Schub für das mobile, flexible Arbeiten hat die Corona-Pandemie gegeben. Durch den Lockdown und behördliche angeordnete Kotaktbeschränkungen, ist die Nutzung des Homeoffices aktuell sogar ausdrücklich vom Gesetzgeber erwünscht.

Wahrnehmung von Homeoffice (Eigene Abbildung nach Genner et al., 2017)


Doch dabei ist Homeoffice nicht gleich Homeoffice – vor allem nicht aus der Perspektive der Arbeitnehmer. Wie in der Abbildung zu sehen ist, nimmt nicht jeder die Chance (oder Pflicht?) auf mobiles flexibles Arbeiten als positiv wahr. Denn neben den Vorteilen, die das Arbeiten von Zuhause zweifelsohne mit sich bringen kann, birgt das Homeoffice, gerade in der Zeit der Pandemie, auch einige Herausforderungen. Durch die fehlenden Kernarbeitszeiten, wird beispielsweise ein hohes Selbstmanagement verlangt, um eine angemessene Balance zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen. Auch in puncto Kommunikation und Führung verändert sich die Arbeitswelt im Homeoffice gegenüber der Präsenzarbeit spürbar. Überwiegend digitale Abstimmung und Führung auf Distanz sind dabei nur zwei Beispiele, die eine Anpassung der Mitarbeiter erfordert. Gelingt dies nicht oder nicht direkt, kann das psychische Wohlbefinden beeinflusst werden und im schlimmsten Falle zu stressbedingten Erkrankungen wie Depressionen und chronischer Erschöpftheit führen (Landes et al. 2021).

Um den Belastungen des Homeoffices, die zu den allgemeinen Belastungen des Alltags hinzukommen, entgegenzuwirken, bedarf es gesundheitsfördernder Maßnahmen. Einige Unternehmen haben ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement bereits den neuen Bedingungen angepasst, andernorts stehen viele Mitarbeiter jedoch noch ohne weiter Hilfe dar.

Wir haben die akademie KRAFTWERK Experten aus den vier Handlungsfeldern – Bewegung, Ernährung, Psyche und Medizin – nach ihren persönlichen Tipps gefragt, um sich im Homeoffice gesund zu halten. Diese möchten wir gerne in den nächsten Wochen mit Ihnen teilen. Heute starten wir mit dem Handlungsfeld Bewegung und unserem Experten Sven Adomat von activleben.


Routinen schaffen!

Im Homeoffice sind die Zeiten, in denen man an einem Platz sitzt oft länger als an einem normalen Bürotag (Landes et al. 2021). Allein durch den Weg zur Arbeit, der nun wegfällt, wird die Bewegung automatisch minimiert. Unser Experte Sven Adomat rät, sich Bewegungsroutinen zu schaffen, um trotz dessen die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System zu aktivieren. Eine Routine könnte beispielsweise eine kurze Mobilisation am Morgen sein, die im Optimalfall fest im Kalender verankert ist, um eine gewisse Verbindlichkeit zu schaffen. Stehen Sie auf, bewegen Sie sich, machen Sie einen kurzen Spaziergang oder nutzen Sie Mobilisationsübungen aus dem Internet. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB, 2020) erklärt auf seiner Website beispielsweise die sogenannte Fußschaukel oder die Heldenbrust, die zur Aktivierung des Körpers beitragen.

Eine weitere Form der Routine beschreibt Sven Adomat durch das Integrieren von Bewegung in alltägliche, wiederkehrende Büroaktivitäten, wie beispielsweise das Aufstehen zu Beginn einer Online-Konferenz. Probieren Sie es aus: Verbringen Sie jeweils die ersten zehn Minuten eines Video-Meetings im Stehen, schaukeln Sie eventuell sogar von vorn nach hinten auf Ihren Füßen.

Bewegungsroutinen sind jedoch nicht nur während der Arbeitszeiten sinnvoll, sondern auch in der anschließenden Freizeit. Wenn Sie normalerweise zwei Mal in der Woche auf dem Heimweg von der Arbeit das Fitnessstudio besucht haben, können und sollten Sie diese Routine fortsetzen. Ersetzen Sie das Fitnessstudio gegen ein Homeworkout im Wohnzimmer. Oder verabreden Sie sich mit sich selbst für einen Spaziergang. Tipp: Nutzen Sie Ihren beruflichen Terminkalender und fixieren Sie Ihre Bewegungseinheiten. Dies führt dazu, dass Sie diese als festen Termin wahrnehmen und erleichtert den Kampf gegen den inneren Schweinehund.

Haben sich Routinen und Termine erst einmal in Ihrem Arbeitsalltag etabliert, so fällt die „Bewegung für Zwischendurch“ von Mal zu Mal leichter. Worauf warten Sie noch? Was ist Ihre erste Bewegungsroutine?


Quellen:


DOSB (2020). FIT UND AKTIV IN DER #HEIMARENA. Gerade ältere Menschen sollten sich in Coronazeiten zu Hause fit halten. Abgerufen am 09.02.2021 unter https://www.dosb.de/sonderseiten/news/news-detail/news/fit-und-aktiv-in-der-heimarena


Genner, S., Probst, L., Huber, R., Werkmann-Karcher, B., Gundrum, E., & Majkovic, A. L. (2017). IAP Studie 2017: der Mensch in der Arbeitswelt 4.0.


Landes, M., Steiner, E., Utz, T., & Wittmann, R. (2021). Physische und mentale Gesundheit im Homeoffice. In Erfolgreich und gesund im Homeoffice arbeiten (pp. 41-54). Springer Gabler, Wiesbaden.

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